Claas-Ersatzteile: Gut gerüstet

Die Ersatzteilversorgung ist trotz Corona-Krise gesichert, wie Heiner Buschhoff, Leiter Ersatzteilservice der Claas Vertriebsgesellschaft, erläutert.
Heiner Buschhoff, Leiter Ersatzteil-Service der Claas Vertriebsgesellschaft (CVG).

Herr Buschoff, aufgrund der Corona-Pandemie gibt es bei vielen Industriezulieferern Engpässe. Haben Sie die Ersatzteilversorgung drosseln müssen?

Um diesen aus Sicht der Lohnunternehmen sehr wichtigen Aspekt kurz und knackig zu beantworten: Die Versorgung mit Ersatzteilen ist, soweit wir sehen können, bei Claas gesichert. Das gilt für die Grünfuttererntetechnik genauso wie für unsere anderen Produktbereiche, und das wird auch in der laufenden Saison so sein.

Was die Montage der Grünfuttererntetechnik betrifft: Unser Werk in Bad Saulgau läuft – Stand heute, kurz vor Ostern – unverändert weiter. Bestellte Technik wird ausgeliefert, und natürlich gilt das für auch die Ersatz- sowie Verschleißteile, die wir dort fertigen.

Also läuft – mit Blick auf die jetzt einsetzende Grünfutterernte – auch der Nachschub in den kommenden Monaten reibungslos?

Mit Blick auf die Situation einiger unserer externen Teile-Zulieferer mussten und müssen wir bei einzelnen Teile-Positionen umdisponieren. Das ist in dieser Zeit extremer Einschränkungen und generell begrenzter Kapazitäten schon eine Herausforderung. Aber unsere Bevorratung ist nach meiner Einschätzung bestens und wird es auch im Laufe der Saison sein. Derzeit erreichen wir hier im Zentrallager in Hamm-Uentrop eine, wie ich finde, tolle Quote von 97 bis 98% Lieferfähigkeit. Die Auslieferung von besonders kritischen Teilen ist aktuell jedoch beschränkt, um tatsächliche „Notfälle“ bis zur Wiederaufnahme der Lieferketten bedienen zu können.

Vorteilhaft ist, dass wir im November unseren Erweiterungs-Neubau mit zusätzlichen 58.000 Paletten-Stellplätzen in Betrieb nehmen konnten. Das hat unsere Kommissionierungsleistung in der Spitze um bis zu 30% gesteigert!

Im zentralen Claas-Ersatzteillager in Hamm-Uentrop sorgen auch in der Corona-Krise derzeit 490 Mitarbeiter in drei Schichten für zuverlässige und pünktliche Auslieferung.

Wie ist der Bestand der Regionallager?

Unsere sechs regionalen Gebietslager in Deutschland sind ebenfalls sehr gut gerüstet, genauso wie unsere Vertriebs- und Servicepartner. Das war in den zurückliegenden Wochen bereits sehr hilfreich, denn der Frühbezug von Ersatz- und Verschleißteilen lief in diesem Winter im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um rund 15% besser. Somit waren wir, in Erwartung einer starken Saison und unabhängig von Corona, auf breiter Front ohnehin überdurchschnittlich bevorratet.

Das gilt ebenso für Ballenverpackungen, wo wir allein bei Stretchfolie mit über 1.500t im Frühkauf allein in Deutschland einen neuen Rekordwert erreicht haben. Diese Ware ist zu einem großen Teil auch bereits ausgeliefert worden, und es besteht kein Grund zur Sorge, dass es zum Saisonstart zu Engpässen kommt.

Gibt es in der Logistik Corona-bedingte Einschränkungen?

Selbstverständlich gelten die erhöhten Anforderungen an Hygiene und Schutz aller Beteiligten für die gesamte Lieferkette. Die Händler sorgen, genauso wie die Teams unserer Regionallager, für eine „sichere Übergabe“, was in der Umsetzung naturgemäß mit mehr Abstand und leicht veränderten Abläufen verbunden ist, wie zum Beispiel die Ablage bestellter Ware am Grundstückstor. Ganz wichtig ist mir aber: Kontakt und Beratung sind in keiner Weise eingeschränkt. Mit dem höheren Anteil an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Homeoffice steht den Kunden unser unverändert hohes Serviceniveau zur Verfügung.

Gilt das auch im Zentrallager Hamm-Uentrop?

Dort haben wir für die eigentliche Lagerlogistik unsere insgesamt rund 490 Mitarbeitenden in drei Schichten eingeteilt und für bestmöglichen Infektionsschutz gesorgt. Die Versorgung ist also auch deshalb sicher – soweit man das in dieser Zeit gewährleisten kann. Mehr noch: Die Auslieferung bestellter Aufträge liegt derzeit deutlich über dem Vorjahr.

Zum Thema Schutz gehört aber auch, dass es seit Mitte März für eine begrenzte Phase keine Möglichkeit der Selbstabholung in Hamm-Uentrop mehr gibt, um die Ansteckungsrisiken zu minimieren. Das wäre für die Gesamtlogistik fatal, daher bitte ich die bisherigen Selbstabholer aus dem Umkreis Hamm-Uentrop um Verständnis. Dies ist aber nach meiner Einschätzung kein Problem, denn spontan und ohne vorherige Bestellung über den Vertriebspartner kommt ohnehin kein Kunde hier nach Hamm-Uentrop. Unter den aktuell besonderen Umständen kann im Einzelfall in Abstimmung mit dem Vertriebspartner und dem Kunden eine Lösung gefunden werden, zum Beispiel durch Taxiversand.

Dank eines um bis zu 15% größeren Frühbezugs ist die Ersatzteilbevorratung der sechs deutschen Claas-Regionallager sowie der Vertriebspartner auf hohem Niveau.

Wie sieht es mit dem Nachtversand aus – steht auch hier die Logistik?

Ja, das kann ich eindeutig bestätigen. Aber ich mache auch keinen Hehl daraus, dass wir diesbezüglich derzeit vor großen Herausforderungen stehen. Denn die verschiedenen Nachtexpress-Dienstleister verzeichnen dadurch, dass zum Beispiel die Auto- und Nutzfahrzeugindustrie ihre Werke heruntergefahren hat, drastischen Auftragseinbußen.

Die logische Folge wäre aus Sicht der Dienstleister, die Intensität der Nachtexpress-Versorgung zu reduzieren – was wir mit dem Blick auf unsere Kunden als sehr schwierig empfinden würden. Denn in wohl keiner anderen Branche liegt die Messlatte bezüglich Schlagkraft der Teilelogistik so hoch wie in der Landtechnik. Und in der Hochsaison beträgt der Anteil des Nachtversandes an unserem Liefervolumen mehr als 40%, ist also von großer Bedeutung.

Als Folge der geschilderten Engpässe bei den Nachtexpress-Dienstleistern müssen wir derzeit sehr exakte Wochenplanungen vornehmen und diese Kontingente bei unseren Dienstleistern auch verbindlich in Anspruch nehmen – was jedoch mit erhöhten Kosten verbunden ist. Derzeit fangen wir dies seitens Claas komplett auf. Sollten aber die Corona-bedingten Einschränkungen über einen längeren Zeitraum andauern, wird ein zumindest teilweises Weiterreichen der Mehrkosten an unsere Vertriebspartner und damit an die Kunden nicht vermeidbar sein.

Doch es ist noch zu früh, dies zu entscheiden. Wichtig ist: Die Säule Ersatz- und Verschleißteillogistik bei Claas steht unerschütterlich, und wir unternehmen alles uns Mögliche, um die gewohnte, sehr hohe Versorgungssicherheit, schnelle Problemlösungen sowie Top-Qualität sicherzustellen. Darauf können sich unsere Lohnunternehmen verlassen.

Ist in den zurückliegenden Wochen der Anteil der elektronischen Bestellungen über „Claas connect“ bzw. den Parts-Shop gestiegen?

Nein, nicht kurzfristig und nicht wegen der Corona-Krise. Grundsätzlich steigt seitens der Lohnunternehmen der Anteil der Online-Teile-Identifikation und der entsprechenden Order bei unseren Vertriebspartnern. Aber der weitaus größte Anteil läuft in bewährter Weise über telefonische oder persönliche Kontakte, daran hat auch die Corona-Krise nichts geändert.

Doch ich glaube schon, dass einige Lohnunternehmer in dieser Zeit ein stärkeres Bewusstsein für die digitalen Optionen entwickeln.

Das Gespräch führte Jens Noordhof, Redaktion LOHNUNTERNEHMEN
Fotos: Claas

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