Es klemmt beim Geld
Obwohl das Jahr 2026 noch nicht zu Ende ist, lässt sich jetzt schon sagen: Die teils massiven Ertragseinbußen aufgrund der Trockenheit hinterlassen auch fette Bremsspuren in den Bilanzen der Lohnunternehmen – vor allem in der südlichen Hälfte der Republik. Je nach Region sind zwei bis vier Grasschnitte ausgefallen, der Silomais lag vielerorts weit unter dem Durchschnitt, und um überhaupt genügend Winterfutter zu haben, dürfte so mancher Körnermaisbestand den Weg ins Silo gefunden haben. Die Konsequenz: In zahlreichen süddeutschen Lohnunternehmen, die ein starkes Standbein in der Grünfutterernte haben, dürften hohe Beträge auf der Einnahmenseite fehlen. Es klemmt also gewaltig beim Geld.
Verschärft wird die Situation durch ein anderes Phänomen, das sich so mancher noch nicht realisiert hat: Dank der mindestens für Milchviehbetriebe guten Wirtschaftsjahre 2023 bis 2025 müssen zahlreiche Landwirte dem Vernehmen nach Steuern nachzahlen, gleichzeitig drastische angehobene Vorauszahlungsforderungen des Finanzamts verkraften, geringe Erntemengen in Kombination mit niedrigen Preisen wegstecken und ebenfalls mit Zins + Tilgung der Maschinen kämpfen, die zur Senkung der Steuerlast kurzentschlossen in den vergangenen 2-3 Jahren beschafft wurden. Die Landwirtschaft rutscht derzeit in eine gewaltige Liquiditätsfalle, die auch den vor- und nachgelagerten Bereich trifft. Dreimal dürfen Sie raten, wer mit Aussagen über finanzielle Probleme und schlechte Preise bevorzugt von den Landwirten genötigt wird, die Begleichung der Rechnung zu verschieben – genau: die Lohnunternehmer. Diese Aussage trauen sich Landwirte merkwürdigerweise weder bei ihrem Steuerberater noch bei ihrer Autowerkstatt oder bei ihrem Maschinenring (da geht’s nur mit Einzugsermächtigung).
Warum soll der Lohnunternehmer also „für lau“ immer die kostenlose Bank für seine klammen Kunden spielen? Die Antwort ist klar: weil der Marktdruck so groß ist, dass nur wenige eine Trennung von Kunden riskieren mögen. Das ist verständlich, aber birgt die Gefahr, selbst eine Bruchlandung hinzulegen. Ja, es ist richtig, mit den Kunden im Gespräch zu bleiben und nicht sofort die Brechstange herauszuholen. Aber bleiben Sie am Ball. Vor allem: Stellen Sie Rechnungen zügig und versenden Sie „Erinnerungen“ fristgerecht. Denn Rechtsanwalt und Richter werden kein Verständnis für unternehmerische Nachlässigkeit haben, wenn es vor Gericht geht. Und vielleicht ist der eine oder andere Kunde in Zukunft etwas zugänglicher für den Vorschlag, nicht noch die dritte Rundballenpresse für seine 80 Kühe zu kaufen, sondern stattdessen einen kompetenten Dienstleister zu beauftragen. Wenn man den nämlich anständig bezahlt, klappt’s auch mit der Qualität. Und steuerlich absetzen kann man dies auch noch.
Ich wünsche Ihnen deshalb pünktlich bezahlte Rechnungen – und den richtigen Durchblick in der eigenen Liquiditätsplanung.
Jens Noordhof,
Redaktion LOHNUNTERNEHMEN
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