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"Der Aussaattermin bestimmt den Zeitpunkt der Maßnahme, aber auch die Produktwahl."

Der Wegfall von Wirkstoffen verändert die Herbizidstrategie im Mais. Welche bewährten und neuen Produkte unter den veränderten Rahmenbedingungen tragen, erläutert Pflanzenschutzberater Wolfgang Jerebic.
Wolfgang Jerebic
Wolfgang Jerebic, ist Berater bei Bayer CropScience für die Region Nord-West. (Foto: Bayer)

Herr Jerebic, vor welchen Herausforderungen stehen Lohnunternehmer und Landwirte beim Einsatz von Herbiziden im Mais?

Wolfgang Jerebic (Beratungsmanager Region Nord-West, Bayer CropScience): Die Wirkstoffpalette ist in den vergangenen Jahren deutlich kleiner geworden. Mit Flufenacet und S-Metolachlor sind zwei wichtige Wirkstoffe weggefallen. Das hat direkte Konsequenzen für die Produktauswahl und die Behandlungsstrategie. Gleichzeitig gibt es für Terbutylazin (TBA) eine Auflage, die den Einsatz nur alle drei Jahre zulässt – das schränkt die Flexibilität zusätzlich ein.

Welche Unkräuter bereiten Ihrer Erfahrung nach in der Praxis die größten Probleme?

Weißer Gänsefuß ist generell auf vielen Standorten ein Problem – er keimt über einen langen Zeitraum und ist bei verzögerter Behandlung schwer in den Griff zu bekommen. Eine große Herausforderung ist nach wie vor der Ackerfuchsschwanz mit seiner Resistenzproblematik, und zunehmend bereitet auch Weidelgras Probleme. Hinzu kommt das Erdmandelgras, das auf befallenen Flächen eine eigene Herausforderung darstellt.

Wie stark beeinflusst der Aussaattermin die Pflanzenschutzstrategie?

Erheblich. Ein früher Aussaattermin bedeutet, dass die Behandlung unter kühleren evtl. ungünstigen Bedingungen stattfindet und der Mais selbst langsamer wächst und ein langer Zeitraum bis zum Reihenschluss überbrückt werden muss. Das verlängert zwar das Zeitfenster für eine wirksame Bodenbehandlung, erhöht aber auch das Risiko, dass Unkräuter bei verzögerter Behandlung bereits zu groß sind. Bei spätem Aussaattermin hingegen ist das Wachstum schneller, die Unkräuter keimen zügiger und das Behandlungsfenster ist enger. Hier ist eine frühzeitige Blattherbizid-Komponente oft wichtiger, weil die Bodenwirkung allein nicht ausreicht. Der Aussaattermin bestimmt also nicht nur den Zeitpunkt der Maßnahme, sondern auch die Produktwahl.

Die Frühjahrstrockenheit nimmt zu…Welche Rolle spielen Witterung und Bodenfeuchte bei der Wahl zwischen Boden- und Blattherbiziden? Und wie lautet Ihre Empfehlung?

Bodenherbizide sind auf Feuchte angewiesen – ohne ausreichende Niederschläge oder Bodenfeuchte nach der Applikation bleibt die Wirkung hinter den Erwartungen. In trockenen Frühjahren ist das ein reales Problem. Hier empfehle ich, den Morgentau zu nutzen, die Wasseraufwandmenge zu erhöhen und ggf. eine gröbere Düse zu verwenden, um eine gute Durchdringung nach unten hin zu gewährleisten. Am sichersten ist es aber, eine Blattherbizid-Komponente wie z.B. MaisTer power zu ergänzen, das unabhängig von der Bodenfeuchte wirkt, solange die Unkräuter aufgelaufen sind und die Blattfläche ausreichend groß ist.

Das ist ein Vorteil der Packs, die meist aus einer Boden- und einer Blattkomponente bestehen.

junge Maispflanzen
Insbesondere in der Jugendentwicklung sollte der Mais nicht in Konkurrenz mit Unkräutern- und -gräsern treten müssen. (Foto: Bayer)

Bayer hat 2025 mit Merlin Flexx und Merlin Duo zwei neue Maisherbizide auf den Markt gebracht, die beide auch in Packs angeboten werden. Was empfehlen Sie wann?

Merlin Flexx ist ein reines Bodenherbizid auf Basis von Isoxaflutol und eignet sich besonders für den Einsatz im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf. Im Pack mit dem bewährten Blattherbizid MaisTer power (MaisTer power Flexx Pack) wird es eingesetzt, um die Hirse- und Unkrautwirkung zu verstärken. Es eignet sich für Flächen, auf denen kein TBA eingesetzt werden darf.

Merlin Duo beeinhaltet neben Isoxaflutol auch Terbuthylazin, wodurch eine stärkere Dauerwirkung erreicht wird. Merlin Duo wird im Merlin-Duo-Pack angeboten, was noch Fluva 100, also den Wirkstoff Mesotrione, beeinhaltet. Dieses hat eine Blattwirkung auf aufgelaufene Unkräuter und Hirsen.

Beide Packs sind als Einmal-Herbizidbehandlung konzipiert, und ersetzen die nicht mehr auf dem Markt verfügbaren Packs MaisTer power Aspect und Laudis Aspect.
 

Adengo, ein Herbizid für Vor- und frühen Nachauflauf, sowie Laudis als Hirsespezialist bleiben als Einzelherbizide bestehen. Wann empfehlen Sie eine Einmalbehandlung mit Packs, wann eine Spritzfolge – und warum?

Die Einmalbehandlung ist dann vertretbar, wenn der Unkrautdruck überschaubar ist, die Witterung zum Zeitpunkt der Behandlung passt und der Aussaattermin früh genug liegt, um im optimalen Entwicklungsfenster zu behandeln. Sobald aber mehrere Problemunkräuter gleichzeitig auftreten oder die Keimwellen zeitlich versetzt sind, stößt die Einmalbehandlung an ihre Grenzen.

Die Spritzfolge – also eine Vorauflauf- oder frühe Nachauflaufbehandlung, kombiniert mit einer späteren Nachauflaufmaßnahme – erlaubt es, unterschiedliche Keimwellen gezielt zu erfassen und unabhängiger von der Witterung zu agieren. Hier empfehle ich für mein Beratungsgebiet seit Jahren Adengo als Soloprodukt im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf oder, wenn schon Unkräuter aufgelaufen sind, Adengo in Kombination mit einer kleinen Menge an Mesotrione im Zweiblattstadium. Nacharbeiten würde ich mit Laudis, weil es sehr verträglich ist, auch wenn der Mais schon größer ist, und weil es bis zum 8-Blatt-Stadium gespritzt werden kann.   

In Versuchen hat sich übrigens gezeigt, dass auf Flächen, die mit Spritzfolgen anstelle einer Einmalbehandlung bearbeitet wurden, bis zu 1 t/ha mehr Trockenmasse geerntet wurde, weil der Mais über einen längeren Zeitraum konkurrenzfrei aufwächst.

Was empfehlen Sie, um Resistenzen zu vermeiden?

Der Grundsatz ist einfach: Wer immer denselben Wirkstoff oder dieselbe Wirkstoffgruppe einsetzt, selektiert auf Resistenz. Das gilt besonders für Sulfonylharnstoffe wie z.B. Nicosulfuron, die in der Praxis häufig eingesetzt werden. Nicosulfuron darf nur alle zwei Jahre auf der gleichen Fläche ausgebracht werden! MaisTer power ist beispielsweise nicosulfuron- wie auch TBA-frei und fällt nicht unter diese Auflage.  

Die Empfehlung lautet außerdem, Wirkstoffe mit unterschiedlichen Wirkungsmechanismen zu kombinieren und innerhalb der Fruchtfolge zu wechseln. Isoxaflutol, wie es in Merlin Flexx enthalten ist, wirkt über einen anderen Mechanismus als Sulfonylharnstoffe – eine Kombination beider Gruppen in der Spritzfolge ist deshalb nicht nur aus Wirkungsgründen sinnvoll, sondern auch zur Resistenzvorbeugung.

Was gilt es in Grundwasserschutzgebieten zu beachten?

Dort gelten für bestimmte Wirkstoffe zusätzliche Auflagen oder vollständige Anwendungsverbote. Terbutylazin ist ein Beispiel: Neben der ohnehin geltenden Dreijahresauflage ist der Einsatz in Schutzgebieten häufig weiter eingeschränkt oder sogar untersagt. Das reduziert die verfügbaren Optionen nochmals. Betriebe, die in solchen Gebieten arbeiten, müssen die Zulassungssituation der eingesetzten Produkte sehr genau kennen und im Zweifelsfall auf Wirkstoffe ausweichen, die keine entsprechenden Auflagen tragen. Das erfordert eine sorgfältige Vorplanung – gerade wenn Lohnunternehmer auf mehreren Betrieben in unterschiedlichen Schutzgebietskategorien tätig sind.

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