Unkrautbekämpfung in Mais 2026
Mais wächst in der Jugendentwicklung nur langsam und besitzt deshalb eine geringe Konkurrenzkraft gegenüber Unkräutern. Besonders auf leichten, schnell austrocknenden Böden kann der Unkrautdruck rasch steigen. Umso wichtiger ist ein früher und sicherer Herbizideinsatz.
Was ist neu in 2026?
Wie kaum in einer anderen Kultur werden im Mais Herbizid Packs für sogenannte „Komplettlösungen mit Preisvorteilen“ angeboten. Aufgrund der zulassungsbedingten Anwendungseinschränkung der TBA-haltigen Herbizide sind bereits zur Saison 2026 zahlreiche neue Packs „geschnürt“.
Das neue Merlin Flexx enthält den aus dem Adengo bekannten Wirkstoff Isoxaflutole (240 g/l) und wirkt zu 70 % über den Boden. Der Anwendungstermin ist BBCH 00-13, die maximale Aufwandmenge beträgt 0,4 l/ha. In dem neuen Pack MaisTer power Flexx mit 1,0-1,25 l/ha MaisTer power und 0,2-0,25 l/ha Merlin Flexx beschränkt sich der Einsatztermin auf das BBCH 12-13, da MaisTer power erst ab BBCH 12 eingesetzt werden darf. Der Pack wirkt gegen Gräser, Hirsen und eine breite Mischverunkrautung. Im Pack wird Merlin Flexx in folgenden Kombinationen vermarktet: MaisTer Power Flexx-Pack: MaisTer Power + Merlin Flexx, Merlin Duo Turbo: Merlin Duo + Fluva 100 (Mesotrione 100 g/l) und Callisto P Flexx Pack: Merlin Flexx + Callisto l/ha + Peak.
Wichtig bei Merlin Flexx:
- Es gilt die Anwendungsbestimmung NG 368: Zum Schutz des Grundwassers darf auf derselben Fläche im folgenden Kalenderjahr keine Anwendung von Mitteln mit dem Wirkstoff Isoxaflutole (IFT) erfolgen.
- Keine zusätzlichen Mischpartner außerhalb der Packkombinationen.
- Einsatz ausschließlich in BBCH 12–13.
Ebenfalls neu auf dem Markt ist das Herbizid Starship 100 SC (Wirkstoff 100 g/l Mesotrione), welches das bisher auf dem Markt befindliche Kideka wirkungsgleich ersetzt. In Kombination mit Tandus (200 g/l Fluroxypyr) wird es als „Stardust“ auch im Pack neu erhältlich sein.
Die gegen Spätverunkrautung bekannten Produkte Casper (Dicamba, Prosulfuron) und Spandis (Dicamba, Prosulfuron, Nicosulfuron) werden jeweils im Pack mit Adigor angeboten.
Dragster kombiniert die Wirkstoffe Rimsulfuron (148 g/kg; bekannt aus Cato) und Thifensulfuron (92,6 g/kg; bekannt aus Harmony SX). Zulässig sind 1 × 135 g/ha oder 2 × 67,5 g/ha bzw. 85 g/ha + 50 g/ha im Abstand von sieben Tagen. Die Aufwandmenge entspricht etwa 25 g Harmony SX und 80 g Cato. Der Vertrieb erfolgt zusammen mit dem Netzmittel Vivolt (0,2 %). Das Wirkungsspektrum umfasst einjährige Ungräser, einjährige zweikeimblättrige Arten sowie Quecke.
Empfehlungen
Bei der Wahl der Unkrautbekämpfungsstrategie sind verschiedene Faktoren zu beachten. Wichtig sind hierbei die Anbauhäufigkeit und der damit verbundene Unkrautdruck. Mit zunehmendem Maisanteil in der Fruchtfolge kommt es zu einer Verschiebung der Unkrautflora in Richtung schwer bekämpfbarer Arten wie Hirsen, Nachtschatten, Geranium-Arten, Windenknöterich oder Wurzelunkräuter. Entscheidend bei der Bekämpfungsstrategie sind weiterhin der Einfluss des Aussaattermins, der Humusgehalt des Bodens sowie der aktuelle Witterungsverlauf.
Um optimale Wirkungen der Maßnahmen zu erreichen und die Maispflanze nicht zu schädigen, sind verschiedene Punkte zu beachten:
- Für eine sichere Wirkung von Bodenherbiziden ist eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit erforderlich. Bodenherbizide, die bei trockenen Bedingungen appliziert wurden, haben jedoch noch ein erhebliches Potential, wenn 6 - 8 Tage nach der Anwendung Niederschläge fallen.
- Der Einsatz von Sulfonylharnstoffen sollte nicht bei extremen Temperaturen > 25 °C oder bei Frostgefahr erfolgen. Ebenfalls zu vermeiden sind Behandlungen bei extremen Temperaturschwankungen. Die Folge von Behandlungen unter nicht optimalen Bedingungen sind Blattaufhellungen und Wachstumsstillstand.
- Zwischen dem 2- und 8-Blattstadium toleriert Mais so gut wie keine Begleit- bzw. Unkrautflora. Diese „kritische Phase“ mit einer äußert geringen Konkurrenzkraft des Maises gilt insbesondere für leichte, oberflächlich abtrocknende Böden und generell für Jahre mit geringen Niederschlägen. Die Unkrautbekämpfung beginnt deshalb bereits bei der Wahl des Saattermins. Aussaattermine bei Bodentemperaturen unter 8°C sorgen dafür, dass die an kältere Temperaturen besser angepassten Unkräuter einen Wachstumsvorsprung gegenüber den ohnehin konkurrenzschwachen Maispflanzen haben. Damit das Zeitfenster von der Aussaat bis zum 8-Blattstadium möglichst kurzgehalten wird, sollten vor dem Hintergrund einer effektiven Unkrautbekämpfung zu frühe Saattermine vermieden werden.
- Die Anbaudichte und damit der Unkrautdruck ist bei der Auswahl der optimalen Unkrautbekämpfungsstrategie zu beachten. Mit zunehmendem Maisanteil in der Fruchtfolge kommt es zu einer Verschiebung der Unkrautflora in Richtung schwer bekämpfbarer Arten, wie Hirsen, Nachtschatten, Geranium-Arten, Windenknöterich oder auch Wurzelunkräuter.
- Zur Verbesserung der Wirkung sollte eine Behandlungsfolge der Einmalbehandlung vorgezogen werden, die Behandlungsfolge ist in Wirkungssicherheit und Verträglichkeit der Einmalbehandlung überlegen. Termin und Aufwandmenge der ersten Behandlung sollten an Witterung, Unkrautdruck und Unkrautart angepasst werden. Wird die Spritzfolge einer Einmalbehandlung vorgezogen, sollten die Aufwandmengen anhand der Zulassung und dem benötigten Aufwand angepasst sein. Wenn die Unkräuter max. 5 cm Wuchshöhe erreicht haben und die Schadgräser bzw. Schadhirsen noch nicht bestockt sind, darf die Aufwandmenge bei optimalen Einsatzbedingungen reduziert werden.
Wann Einmal-Behandlung?
- bei mittlerer bis später Aussaat (schneller Reihenschluss)
- auf Standorten mit leicht bekämpfbarer Verunkrautung, die bei Bekämpfung mit blattaktiven Mitteln erfasst werden (Gänsefußarten, Vogelmiere, Stiefmütterchen)
- Behandlungen etwa im 4-Blattstadium der Kultur
- Aufwandmengen 50 – 75 % der zugelassenen Aufwandmenge
- Storchschnabel und Schadhirsen werden selektiert
Wann Spritzfolge vorteilhaft?
- bei früher Aussaat aufgrund des verspäteten Reihenschlusses
- auf humusreichen Standorten
- bei starkem Vorkommen von Storchschnabel oder Hirsearten
- erste Behandlung im 1 - 3-Blattstadium der Kultur mit ca. 40 - 50 % der zugelassenen Aufwandmenge
- gezielte Nachbehandlung im 5 - 6-Blattstadium oder Hackmaßnahme erforderlich
- Gesamtkosten in der Regel nicht höher als bei der Einmal-Behandlung
- reduzierte Aufwandmengen der Bodenherbizide (Umweltentlastung)
Das in Abb. 3 beschriebene Splittingverfahren wird zum Beispiel bei einer frühen Aussaat aufgrund eines verspäteten Reihenschlusses oder auf humusreichen Standorten, insbesondere bei starkem Vorkommen von Storchschnabel oder Hirsearten empfohlen. Sollten entgegen den Erwartungen Nachbehandlungen notwendig werden, sind die zugelassenen Nachbehandlungen aufgeführt. Wird von vornherein eine Behandlungsfolge geplant (aus der Vorlage NAK1 zu BBCH 12-13 und der NAK2 und BBCH 15-16) sind Aufwandmengen und Produktwahl wie in Abb.3 aufgeführt vorzunehmen.
Dr. Dirk M. Wolber, LWK Niedersachsen
Eine ausführlichere Version des Beitrags ist in der LOHNUNTERNEHMEN-Ausgabe 3/26 erschienen.