Umfrage Winterdienst
Der Winter war auch in Niedersachsen in diesem Jahr außergewöhnlich. Das weiß Dirk Hasse, Geschäftsführer der Hasse Agrar GmbH, zu berichten: „Nach mehreren milden Wintern hat es uns in diesem Jahr mal wieder etwas härter getroffen. Allein im Januar gab es für uns 18 Winterdiensttage. Die Wetterextreme nehmen zu. Darauf müssen wir uns einstellen und entsprechend die Technik und auch das Personal dafür vorhalten.“
Viele Kollegen hätten sich aufgrund des unsteten Auftragsaufkommens aus diesem Dienstleistungsbereich zurückgezogen. „Für unseren Betrieb ist der Winterdienst allerdings zu einer festen Einnahmequelle in der arbeitsärmeren Zeit geworden. Vor allem die Verkehrssicherungspflicht für Firmen und Supermärkte bescheren uns eine gute Grundauslastung“, erklärt der Lohnunternehmer. Darüber hinaus werden zwei Kommunen im Winterdienst betreut.
Insgesamt kommen sieben Traktoren (Fendt und John Deere) mit Schneeschildern und Anbaustreuern (Amazone und Rauch) bei Hasse Agrar in einem Radius von ca. 30 km um den Firmenstandort zum Einsatz. „Das ist für uns das Winterdienstwerkzeug – wir arbeiten ausschließlich dort, wo wir mit Schlepper, Schild und Streuer hinkommen, sprich auf Straßen und Plätzen. Handräumung bieten wir nicht an.“ Das Salz, das Hasse Agrar streut, wird gleich mitgeliefert, zudem wird auch mit Streusalz gehandelt.
Bei einer der beiden Kommunen, für die das Unternehmen arbeitet, wird auf das dortige Salzlager zurückgegriffen. „Wir haben das Streusalz bisher als Bigbag und Sackware eingekauft. Das ist zwar etwas teurer, lässt sich aber bei geringen Verbrauchsmengen gut im Betrieb händeln und auch für längere Zeit lagern. In diesem Jahr haben wir ein temporäres Lager für lose Ware unter einem Vordach eingerichtet, da diese am schnellsten verfügbar war. Mit einem Teleskoplader sind die Streuer nun schnell und bequem befüllt. Allerdings müssen wir die Restmenge, die wir ggf. nach der Wintersaison noch übrig haben, zumindest in Bigbags abfüllen. Sonst wird es verklumpen und wir könnten es nicht mehr verwenden.“
Digitale Erfassung
Die Winterdienstarbeiten werden über das Betriebsmanagementsystem Agrarmonitor digital erfasst und dokumentiert – genauso wie bei landwirtschaftlichen Auftraggebern. „Jeder Kunde ist in dem System hinterlegt. Bei den Gewerbekunden sind die Plätze als Schläge aufgeführt und somit können wir die Arbeitszeit und die verbrauchte Salzmenge dort verbuchen“, beschreibt Dirk Hasse das Dokumentationsverfahren. Abgerechnet wird nach unterschiedlichen Modellen. Die Kommunen fordern die Zeitabrechnung.
„Das ist kein Problem für uns, da wir die Zeiten komplett digital erfassen. Hinzu kommt bei den Kommunen eine Bereitstellungspauschale, die monatlich fällig wird, egal, ob wir im Winterdienst fahren oder nicht. Bei den gewerblichen Kunden gibt es hingegen unterschiedliche Modelle, die wir individuell aushandeln. Hier sind wir flexibel. Wir lassen uns allerdings nicht auf feste Monatsbeträge ein, das heißt, der Kunden zahlt den Betrag X und wir sind dann für den Winterdienst verantwortlich, egal ob es viel schneit oder gar nicht. Das kann gut gehen – solange die Winter mild sind. Diese Saison hat uns jedoch wieder einmal gezeigt, dass es auch anders kommen kann“, gibt er zu bedenken.
Die Kommunen setzen eigene Kontrollfahrer ein, die das Lohnunternehmen informieren, wenn gestreut werden muss. Bei den Gewerbekunden hingegen ist es in der Regel so, dass Dirk Hasse und sein Disponent Jean Bergmann selbst einschätzen müssen, wann ausgerückt wird. „Wir haben immer ein Auge auf der Wetterapp und gehen regelmäßig vor die Tür. Über die Jahre entwickelt man schon ein gewisses Gespür, wann es losgehen muss“, ist er überzeugt.
Frühstück und Prämie
Im Winterdienst werden neben zwei Aushilfskräften die Mitarbeiter der Agrar-Sparte des Unternehmens eingesetzt. „Unsere Lkw laufen das ganze Jahr hindurch.
Entsprechend sind die Lkw-Fahrer nicht verfügbar“, erklärt Dirk Hasse und weiter: „Natürlich sind im Winterdienst die Arbeitszeiten verschoben, denn wir starten in der Regel nachts, damit die Plätze und Straßen am Morgen geräumt sind.“ Das sei allerdings auch gewisse Herausforderung, gibt er zu bedenken: „Klar, zunächst sind alle beim Winterdienst begeistert dabei, doch wenn es mehrere Tage am Stück Schnee und Eis gibt, lässt die Motivation natürlich etwas nach, das ist verständlich. Wir sorgen dann immer für ein gutes Frühstück, wenn alle auf den Hof kommen, zudem zahlen wir Prämien für besonderes Engagement in der Winterdienstsaison.“
Eine weitere Herausforderung sei das zum Teil fehlende Verständnis der Autofahrer für den Technikeinsatz im Winterdienst: „Viele sind es nicht mehr gewohnt, dass auch mal etwas mehr Schnee fallen kann und wir dann mit der entsprechenden Großtechnik in den Straßen und auf den Parkplätzen unterwegs sein müssen. Hier wünschte ich mir etwas mehr Rücksichtnahme. Wir wollen ja dafür sorgen, dass die Straßen und Plätze wieder frei werden.“
Hasse Agrar bietet mit 18 Festangestellten neben landwirtschaftlichen Arbeiten, kommunale Dienstleistungen, aber auch Transporte mit Lkw und Schleppergespannen an. Der Umsatz zwischen land- und außerlandwirtschaftlichem Geschäft liegt heute bei ca. 50 zu 50 %.
Björn Anders Lützen
Redaktion LOHNUNTERNEHMEN