Auf veränderte Märkte reagieren

Der Strukturwandel in der Landwirtschaft hat Auswirkungen auf die Lohnunternehmen. Moritz Geissel hat diese in seiner Masterarbeit herausgearbeitet.
Landtechnik von oben auf Feld
Die Förderung durch die sogenannte Bauernmilliarde hat vor allem die Eigenmechanisierung der Landwirte beschleunigt und damit die Nachfrage nach entsprechenden Lohndienstleistungen reduziert. (Foto: Lützen)

Moritz Geissel hat Auswirkungen auf die Lohnunternehmen durch den Strukturwandel in der Landwirtschaft in seiner Masterarbeit „Dienstleister im ländlichen Raum: Perspektiven und Herausforderungen für landwirtschaftlichen Lohnunternehmen“ herausgearbeitet – und wie die Unternehmer darauf reagieren können.

Die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland sank von 420.697 im Jahr 2003 auf 255.010 im Jahr 2023. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Betriebsgröße von 40,5 auf 65 Hektar. Diese Entwicklung verändert den Markt für landwirtschaftliche Lohnunternehmen grundlegend. Moritz Geissel untersuchte die Auswirkungen anhand von zwölf Experteninterviews mit Geschäftsführern von Lohnunternehmen aus Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Weniger Kunden, höhere Abhängigkeiten

Alle Befragten beobachten einen deutlichen Strukturwandel. Zwar sinkt die Zahl der Kunden, doch größere Betriebe vergeben meist umfangreichere Aufträge. Ein Unternehmer berichtet von 40 Prozent weniger Kunden bei gleichzeitig 40 Prozent mehr Umsatz. Gleichzeitig wächst jedoch die Abhängigkeit von einzelnen Großkunden. Der Verlust eines Auftraggebers kann erhebliche wirtschaftliche Folgen haben, zumal langfristige Verträge in der Branche selten sind.

Mit dem Wachstum der Betriebe nimmt zudem die Eigenmechanisierung zu. Viele Landwirte investieren selbst in Maschinen oder organisieren sich in Maschinengemeinschaften. Für Lohnunternehmen bleiben vor allem Leistungen mit hohem Spezialisierungsgrad und kostenintensiver Technik wie Häckseln oder Rübenroden attraktiv. Gleichzeitig entstehen neue Kooperationsmodelle, bei denen Landwirte einfache Arbeiten selbst erledigen, während Lohnunternehmen Spezialtechnik und Logistik bereitstellen.

Moritz Geissel
Moritz Geissel wuchs auf einem landwirtschaftlichen Familienbetrieb in Ostwestfalen auf, studierte Agrarwirtschaft und Agribusiness und sammelte Praxiserfahrung in Landwirtschaft, Lohnunternehmen und Landtechnikindustrie. Heute arbeitet er als Produktmanager in einem Saatzuchtunternehmen und möchte zugleich den elterlichen Betrieb weiterführen. (Foto: Moritz Geissel )

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erhöhen den Anpassungsdruck zusätzlich. Alle Befragten berichten von deutlich gestiegenen Kosten für Maschinen, Ersatzteile, Kraftstoff und Personal. Preiserhöhungen lassen sich jedoch nur begrenzt an Kunden weitergeben. Viele Unternehmen reagieren darauf mit längeren Nutzungszeiten, Leasingmodellen oder eigenen Werkstätten zur Kostensenkung.

Fachkräfte und neue Geschäftsfelder

Beim Fachkräftemangel zeigt sich ein gemischtes Bild. Während viele Betriebe aktuell ausreichend Personal finden, kämpfen andere mit der Gewinnung qualifizierter Mitarbeiter. Um Beschäftigte zu gewinnen und zu halten, setzen die Unternehmen auf Ausbildung, übertarifliche Vergütung und moderne Arbeitgeberkommunikation. Gleichzeitig steigt mit dem Wachstum der Betriebe die Nachfrage nach qualifiziertem Fremdpersonal, was Lohnunternehmen neue Chancen eröffnet.

Neben der Personalfrage gewinnt auch die Diversifizierung an Bedeutung. Viele Betriebe erweitern ihr Angebot um kommunale Dienstleistungen, Transportlogistik oder Erd- und Tiefbauarbeiten. Dadurch erhöhen sie die Auslastung ihrer Maschinen und schaffen ganzjährige Beschäftigungsmöglichkeiten. Ergänzend investieren zahlreiche Unternehmen in moderne Technik, digitale Dienstleistungen und Precision-Farming-Anwendungen, um sich von Wettbewerbern abzuheben und Kunden langfristig zu binden.

Fazit

Die Interviews zeigen, dass der landwirtschaftliche Strukturwandel die Rahmenbedingungen für Lohnunternehmen deutlich verändert. Weniger, aber größere Kunden erhöhen einerseits die Umsatzchancen, steigern andererseits jedoch die wirtschaftlichen Risiken. Erfolgreiche Unternehmen reagieren darauf mit Spezialisierung, Professionalisierung und der Erschließung neuer Geschäftsfelder. Damit entwickeln sich Lohnunternehmen zunehmend zu vielseitigen Dienstleistungsbetrieben, deren Zukunftsfähigkeit maßgeblich von ihrer Anpassungsfähigkeit und ihrer regionalen Marktstrategie abhängt.

cca